Burg Craien

die Burg Hohenkrähen (erstmalig um 1470 so erwähnt) liegt am westlichen Rand des Bodensees in der der Nähe von Singen.
weitere Burgen in der unmittelbaren Nähe sind der Hohentwiel, die Mägdeburg und die Burg von Friedingen


vom Hohentwiel gesehen----------------------------------------------------------Burgberg mit Vorburg


Das Wappen derer von Craien / Friedingen ist der Züricher Wappenrolle von ca. 1340 dargestellt, ab 1257/60 gehörte die Burg Craien wieder den Herren von Friedingen, aus deren Geschlecht sie um ca. 1190 hervor gegangen sind

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siehe auch unter
http://www.silverdragon.org/HERALDRY/ZurichRolls/zroadt2v.htm oder http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/3712480/DE/


Bauliche Anlagen

+ man kann zwischen drei Bauphasen unterscheiden
1. der Bau derer von Craien / Friedingen von 1180/1190 bis 1500, zerstört 1512 durch den Schwäbischen Bund
2. der Österreichische Bau von 1521 bis ca. 1530, zerstört ca. 1634 im Dreißigjährigen Krieg;
3. die Bauten Jakob Fuggers im Vorhof von 1557 bis 1562 und den zeitlich anschließenden Fuggerbau den Palas von 1563

wahrscheinlich sah so die Burg in der ersten Phase des Baus aus, (alte Bezeichnungen auf einer Zeichnung von 1555),
1. Oberburg (der Kobel)
- Torhaus (Mauerwerk zum Teil in Fischgrättechnik, in Richtung Windturm)
- das recht Schloss = Wohnbau
- Cistern = Zisterne mit Zwinger
- Pfisterei = Bäckerei mit Mehllager
- Schmiede
- der vord thurn = vodere Turm (im Norden)
- wachthauß = Wachthaus (Herrenhaus)
- der wind thurn = Windturm (im Süden)

2. Mittelburg
- der ober wacht thurn = oberer Torturm
- Stallungen für Notfälle

3. unterer Torturm
- der under wacht thurn

4. Vorburg - Wirtschaftgebäude am Fuss des Burgfelsen, mit Maierhof, Marstall und Bad
- Port = Tor
- Ruckmauer = Ringmauer ???
- mairhof = Maierhof
- Marstall = Pferdestall
- Bad = Badehaus

+ der Höhenunterschied zwischen Oberburg und Vorburg beträgt ca. 80m

+ Wasser gab es nur vor der Vorburg, sämtliche Vorräte, Holz usw. mußten durch Lastesel in den Oberburg transportiert werden, die "Eseläcker" vor der Burg erinnern noch heute an sie


Geschichte von Berg und Burg Craien (Krähen)

+ der Berg auf dem die Burg Craien errichtet wurde, ist schon in der Jungsteinzeit bis zur La-Têne-Zeit besiedelt, (zahlreiche Funde seit 1895)

+ am Fusse des Krähen liegt seit römischer Zeit ein Fernweg

+ man vermutet eine keltorömische Siedlung in der unmittelbaren Nähe des Mühlhauser Leberen (Leberen = althochdeutsch - Lewir = Grabhügel, Hügel) um ca. 260 nach Chr.

+ nach römischen Münzfunden am Osthang des Krähen aus der Zeit von 139 n.Chr. bis 353 n.Chr. vermutet man eine römische Siedlung auf dem Krähen
ähnliche Funde auch am Mägdeberg und am Hohentwiel

+ Voralemanisch ist der Name des Krähen, craig = Fels

+ 400-700 - alemannische Besiedlung des Hegau Gebietes

+ 500 - Unterwerfung der Alemannen durch die Merowinger, Einbindung ins fränkische Reich,

+ ein frühmittelalterlicher Adelshof auf dem Mühlhauser Leberen (ca. 1500m Entfernung zum Krähen) ist wahrscheinlich die Keimzelle der Herrschaft Craien, im 7. Jhd. wurde das Dorf Mühlhausen (650-680) und Schlatt unter Krähen (wahrscheinlich um 700, - 787 erstmals erwähnt) gegründet

+ am Anfang des 8. Jahrhunderts gehören alle Ansiedlungen der Hegausenke einer Familie "Ato",

+ nach dem fehlgeschlagenen Aufstand des letzten alemannischen Herzog Theutbald 745 n.Chr. gegen die karolingischen Hausmeier kam es zur Besitztrennung des Gebietes, ein großer Teil der Hegausiedlungen wurde dem Kloster St. Gallen (Hausen, Mühlhausen [-Wieden], Schlatt) geschenkt und der Mühlhauser Leberen mit dem Berg Krähen wurde dem Fiskus Bodman zugeschlagen (der Fiskus Bodman wird in den Urkunden mit mehreren Namen benannt, Fiskus, Reichsgut oder Pfalz; Bodman ist eine Pfarrei und eine Burg auf dem heutigen Frauenberg)

+ um 920 - das Kloster Reichenau übernimmt die Güter des Klosters St. Gallen im Hegau

+ Anfang 10. Jahrhundert - Verwaltung des Reichsgutes durch den Pfalzgrafen Erchanger, Rebellion und Hinrichtung des Pfalzgrafen

+ 916 - Einzug der Pfalz Bodman durch König Konrad I.

+ 919 - König Heinrich investiert Herzog Burchard I. von Schwaben, dieser erhält auch das Reichsgut Bodman,

+ 919-1110 - durch Erbfolge geht das Gebiet um den Berg Krähen und Mühlhausen über die Grafen von Nellenburg durch Heirat (1105-1110) an Hermann der Jüngere von Mahlspüren (von Espasingen)

+ um 1175 - Heinrich I. von Stetten, ein Enkel von Hermann der Jüngere von Mahlspüren (von Espasingen) gründet die Burg Friedingen, auf reichenauischen Lehensboden (das Dorf Friedingen wurde erstmals um 1090 im Besitz des Grafen Burkhard von Nellenburg erwähnt),

+ 1180 - Gründung der Pfarrei St. Leodegar in Friedingen (Leodegar - fränkischer Märtyrer, Merowingerheiliger, Reliquien im Kloster Salem)

+ 1180-1190 - die Söhne von Heinrich I. von Stetten (mit ??? von Krenkingen) Heinrich II. und Hermann III. von Craien gründen die Burg Craien, ein weiterer Sohn Rudolf erhält die Burg Hohenfriedingen (reichenauisches Lehen).

+ 1191 - erste Erwähnung der Brüder Heinrich und Hermann von Krähen (de Craien) in einer Urkunde, 1194 Urkunde (de Kreien), beide Urkunden handeln von Rechtshandlungen Diethelms von Krenkingen

+ 1192 - erste Erwähnung von Diethelm von Craien (Sohn von Heinrich II von Craien, geb. ca. 1170-1175, gest. 1225/28), als Begleitung seines Onkels, dem Konstanter Bischof Diethelm von Krenkingen beim Hoftag Kaiser Heinrichs VI. im Lüttich am 24.9.1192, nochmalige Erwähnung 1193, wieder in Begleitung seines Onkels, danach wird er erst wieder 1120 urkundlich erwähnt (in Konstanz als Zeuge für Bischof Konrad), das lässt vermuten, das Diethelm wie sein Onkel ein Parteigänger der Stauffer war und sich durch Heerdienst lange nicht im Hegau aufgehalten hat. 1221 verkauft Diethelm einige Güter an das Domstift Konstanz

(Diethelm von Krenkingen, gest. 1206, Abt des Klosters Reichenau von 1169/70 - 1206, Bischof von Konstanz 1189 - 1206, seiner Stellung nach galt er als der geistlichen Reichsfürsten seiner Zeit)

+ um 1200 - Errichtung der Pfarrei St. Peter und Paul in Mühlhausen

+ nach 1200 - nach den Tod der Brüder Heinrich und Hermann geht die Burg an ihre Söhne Heinrich -> Diethelm; Hermann -> Bertold über

+ 1200 - Bertold von Craien ist Ministrale und Erbtruchsess des Klosters Reichenau, ebenso Reichenauer Ministrale wird Heinrich III. von Friedingen, Sohn des Rudolf, als er zum Vogt über die reichenauische Marktsiedlung Radolfzell ernannt wird

+ 1128 - letzte Erwähnung Diethelm von Craien in der Urkunde, in der er all seine Güter in Friedingen und Beuren dem Kloster Salem geschenkt hat. Damit fand die edelfreie Linie (Hochadel im neuzeitlichen Sinn) derer von Craien ein Ende, Diethelm hatte keine Nachkommen, und beide Nebenlinien Bertold von Craien und Heinrich III. von Friedingen können ab 1200/01 schon als Ministrale angesehen werden, beide Linien sind nun im Besitz der Burg Craien.

+ um 1250 - Die Truchsessen von Craien siedeln nach Schwandorf über, und überschreiben den Herren von Friedingen ihren Besitz um die Burg Craien und Mühlhausen. Diese sind nun Alleinbesitzer der Burg bis ins 16. Jhd. (mit immer größeren Schwierigkeiten der Unterhaltung)

+ 1402 - Verkauf der Pfarrei Mühlhausen das Domkapitel Konstanz,

+ 1512 - Belagerung und Zerstörung der Burg den Schwäbischer Bund, der Bund ist jetzt Besitzer von Burg und Berg und einiger Gebiete rund um die Burg

+ 1516-1517 - Kauf der Burg Krähen und er dazu gehörenden Gebiete durch Kaiser Maximilian vom Schwäbischen Bund für das Haus Österreich

+ 1521 - Wiederaufbau der Burg Krähen durch das Haus Österreich, Konflikt mit dem Herzog von Württemberg wegen der Burg Hohentwiel

+ 1534-1539 Hans IX. von Friedingen bekommt vom Haus Österreich die Burg Krähen als Lehen. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verliert er das Lehen aber wieder an seine Gläubiger, Verhandlungen dazu ab 1539

+ 1540 - Tod des Hans IX. von Friedingen, er hinterließ keine männlichen Nachkommen.

+ 1544 - Die Besitzung Schlatt unter Krähen wird vom Hohenkrähen abgetrennt und gelangt als freies Eigen an die Herren von Reischach zum Mägdeberg, diese verkaufen 1592 den Ort, erwerben ihn aber 1816 wieder

+ 1544 - Hauptgläubiger Wolf von Homburg wird der Hohenkrähen und Duchtlingen zugesprochen, erhält aber erst 1546 den Lehnsbrief vom Haus Österreich

+ 1555 - Hans Jakob Fugger kauft mit Zustimmung von Kaiser Ferdinand (1557) das Lehen Hohenkrähen und Duchtlingen damit beginnt die letzte Ausbaustufe der Burg, 1557-1562 Ausbau der Unterburg, 1563-1567 Bau des Palas

+ 1571 - Verkauf der Lehen Hohenkrähen und Duchtlingen an Hans Ludwig von Bodman

+ 1606-1671 - Verkauf der Lehen Hohenkrähen und Duchtlingen die Familie von Raitenau zu Langensein, Aussterben der männliche Linie, somit fiel das Lehen an Österreich zurück

+ 1634 - Zerstörung der Burg im 30-jährigen Krieg durch den Burgkommandanten des Hohentwiel, Konrad Wiederhold.

+ 1671-1747 - Verkauf der Lehen Hohenkrähen und Duchtlingen die Familie von Hohenburg / ab 1683 an den Grafen von Kuefstein

+ seit 1747 - Verkauf der Lehen Hohenkrähen und Duchtlingen an Judas Thaddäus Freiherr von Reischach
seit dem im Familienbesitz derer von Reischach

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Quelle:
Burg und Herrschaft Hohenkrähen im Hegau
Autor Eberhard Dobler, Verlag Jan Thorbecke; 1986; 1986, ISBN-3-7995-4095-4

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